Südkurier 23.04.2008 Ganz schlimme Sache VON MARTIN BAUR Die völlige Neugestaltung des westlichen Stadteingangs, oft als "Jahrhundertprojekt" bezeichnet, scheint sich immer mehr auf die zentrale Streitfrage einer Hotelansiedlung zu reduzieren. Vor der ersten öffentlichen Gemeinderatsdebatte zur Ausschreibung des "städtebaulichen Realisierungswettbewerbs" heute, Mittwoch, 17 Uhr, im Gemeinderat, entdecken die Hotelgegner neue fragwürdige Aspekte. Bild: Baur Wo heute noch die Baustoffhandlung Graf steht, sehen Gemeinderatsmehrheit und Verwaltung den idealen Standort für ein 120-Betten-Hotel.   Überlingen - Angesichts den riesigen Areals von der Sylvesterkapelle bis zum Westbahnhof, das sich nach dem Wegzug der Baustofffirma Graf ab 2010 zur völligen Neugestaltung anbietet, spricht Stadtplaner Thomas Nöken gerne vom "Jahrhundertprojekt". Und obwohl Stadtverwaltung und Gemeinderatsmehrheit dort direkt am Bodenseeufer den idealen Standort für ein riesiges Hotelprojekt entdeckt haben, beteuerte Nöken in den vergangenen Monaten immer wieder, der Wettbewerb sei bezüglich der Herberge "ergebnisoffen". Gerade das aber bezweifeln Kritiker nun immer mehr. Vor allem, seit dieser Tage auf der Internet-Homepage der Stadt der Entwurf des Auslobungstextes zum Wettbewerb veröffentlicht wurde. Die Gemeinderatsfraktion der LBU jedenfalls kommentiert das gesamte Verfahren in einer aktuellen Pressemitteilung skeptisch und Fraktionssprecherin Astrid Eilers formuliert so, dass klar wird, das Hotel scheint im Wettbewerb die feststehende Größe: "Zur Realisierung einer Hotelansiedlung soll noch vor den Sommerferien ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb durchgeführt werden..." "Ernüchtert" ist auch die Agenda-Gruppe Baukultur, nachdem sie den "Projekt- Check" aufarbeitete, zu dem die Stadt Ende Februar auch kritische Gruppen eingeladen hatte. Die Sprecher des Arbeitskreises, Maria Anna Mohr und Wolfgang Braungardt, nennen die heutige Ratssitzung denn auch einen "Pflichttermin" für alle Agenda-Aktiven. Und sprechen von einem "Investorenhotel beim Graf-Gelände". Denn die Recherchen der Agenda-Aktiven hat inzwischen ergeben, dass der Geschäftsführer der Bremer CUP-Touristic, Holger Pentzke, der bereits beim Projekt- Check als potenzieller Hotel-Investor mit am Tisch saß, ihrer Überzeugung nach klare Ziele verfolgt - oder zumindest dafür steht, dass Hotels dieser Größenordnung heute nur noch gebaut werden, wenn sie sich durch Wohnungsbau mitfinanzieren lassen. Genau nach diesem Muster nämlich wollte Holger Pentzke 2006 in Konstanz am "Waldhaus Jakob" bauen. Doch dort verweigerte der Gemeinderat sich, als klar wurde, dass Geschäftsführer Pentzkes "Cup-Touristic" das Hotel nur im Paket mit sieben Appartementhäusern realisieren will. Wenn die Agenda für heute zum Aufmarsch bläst, hat das überhaupt nur Sinn, weil die LBU-Fraktion eigenem Bekunden nach verhinderte, dass bereits ein Beschluss gefasst wird. Aber auch der Verein "Bürgersinn" will im Ratssaal sein. Dessen Vorsitzender Henning von Jagow sagt: "Da bahnt sich im Westen eine ganz schlimme Sache an - wir können nur hoffen, dass die Überlinger Bevölkerung, die ja noch gar keine Details kennt, aufwacht und diesem Spiel einen Strich durch die Rechnung macht." Bis zum Ratsbeschluss, der am 7. Mai erfolgen soll, wollen die Hotel- Kritiker nun die öffentliche Diskussion ankurbeln.
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Bürgersinn e.V.  Überlingen
An bedeutenden Fragen für die Zukunft Überlingens mitzuwirken, ist wichtiger denn je