Landesgartenschau 2020 Brief an die Stadt und dem Gemeinderat Sehr geehrte …. wie Ihnen bekannt, hat der Bürgersinn schwerwiegende Bedenken gegen die Landesgartenschau (LGS). In seiner Mitgliederversammlung am 30.09.10 wurde der Vorstand beauftragt, diese der Stadt und den Mitgliedern des Gemeinderates in Form eines offenen Briefes vor der Klausurtagung nochmals vorzutragen. Kosten Mit Schreiben vom 13.07.10 hat die Stadt mitgeteilt, dass die Kosten bei insgesamt 20,2 Mio. € liegen und ein Anteil von 8,1 Mio. € bei der Stadt verbleibt. In der Regel werden die anfänglich kalkulierten Kosten jedoch deutlich überschritten. So sind z.B. die Kosten für die erforderlichen Parkplätze noch gar nicht enthalten. Verschuldung der Stadt Diese war ursprünglich 2013 mit 45 Mio. € prognostiziert, musste aber auf Anordnung durch das Regierungspräsidium Tübingen reduziert werden. Dies führt zu noch rigoroseren Sparmaßnahmen. Gleichzeitig kommen auf die Stadt weitere Ausgaben zu. Wir nennen hier nur das Kinderhaus am Burgberg, die Kleinkindbetreuung, die Sanierung der Schulen, die Jugendarbeit. Der Bund der Steuerzahler rät Städten mit Verschuldungen dringend von einer Gartenschau ab. Massentourismus nicht durch Großveranstaltungen weiter ankurbeln. Es wird ein Besucherstrom von ca. 0,8 Mio Menschen erwartet. Schon heute sind die Uferpromenade und die Stadt von April bis Oktober brechend voll. Dazu kommt noch die 1250 Jahr-Feier. Wie sollen die vorhandenen Grünanlagen und die alten Stadtgräben mit den idyllischen Wegenetzen diesen Ansturm ohne schwerwiegende Schäden verkraften? Verkehr Die 0.8 Mio Besucher werden größtenteils mit PKWs kommen. Dazu kommen ca. 1000 Busse pro Monat. Entsprechende Parkplätze müssten erstellt werden, am besten vor den Toren der Stadt. Dann müssen Pendelbusse eingesetzt werden, die hohe Kosten verursachen. Ist eine Landesgartenschau für Überlingen wirklich sinnvoll? Überlingen unterscheidet sich von anderen Austragungsorten wie z.B. Singen oder Villingen-Schwenningen grundsätzlich. Diese waren vom industriellen Strukturwandel betroffen. Überlingen verfügt über eine einzigartige Lage am See, eine fast 3 km lange Uferpromenade, einen Stadtpark auf Mainauniveau, die historischen Stadtgräben mit Felsen, eine wunderschöne Altstadt. Erhalt, Pflege und weitere Entwicklung dieser Elemente bleiben eine Daueraufgabe, der sich schon unsere Vorfahren stellten, der wir uns stellen, und der sich unsere Nachfahren auch ohne LGS stellen werden. Überlingen ist als Kurstadt weithin beliebt und benötigt keine Landesgartenschau, um sich noch bekannter zu machen. Kein ausreichend großes und zusammenhängendes Gelände Eine Gartenschau braucht ein großes Gelände, das abgezäunt werden kann. Selbst Grafsches-Gelände und Campingplatz zusammen reichen hierfür nicht aus. Und nicht zu vergessen: Der Campingplatz hat über Jahrzehnte hinweg treue Gäste, die mit ihrer Treue für Überlingen Werbung machen, die sich jeweils längere Zeit hier aufhalten, wovon Einzelhandel und Gastronomie profitieren, und seine Pächter führen an die Stadt ca. 100.000 € pro Jahr ab. Beide Gelände sind mit einer Industriebrache, wie sie in VS saniert wurde, nicht annähernd vergleichbar. Hotelstandort In der Bewerbungsschrift ist wieder ein Hotel am Seeufer eingezeichnet, diesmal verschoben auf das Areal des Campingplatzes. Legt man die frühere Hotelplanung auf dem Grafschen Gelände bzw. auf dem Härlen zugrunde, erkennt man die Absicht, den Campingplatz vom Bahnübergang bis zur Goldbacher Kapelle in Bauland umzuwandeln. Ein Hotel dort würde die eindrucksvolle Kulisse der Molassefelsen zerstören. Eine Bebauung auf diesem geschichtsträchtigen Grund und Boden wäre außerdem taktlos und zeigte wenig Gespür für die Geschichte. Auch ist die Verbauung eines weiteren Seegrundstückes nicht mehr zeitgemäß und abzulehnen. Bürgerpark Grafsches Gelände Der Bürgersinn fordert, dass das Grafsche Gelände als Parkanlage dauerhaft genutzt wird. Dies ist mit Bäumen, Rasen, Wegen und der Phantasie unserer Stadtgärtnerei mit einfachsten Mitteln zu gestalten. Zusammen mit dem Ausschöpfen von Fördertöpfen wäre es mit weit weniger Schulden zu realisieren als die bisher angenommenen 8 Mio. € plus, plus, plus …! Resümee Aus all diesen Gründen meinen wir, es wäre die richtige Entscheidung für Überlingen, auf die LGS 2020 zu verzichten und stattdessen mit allen Bürgern zusammen ein zu der Stadt mit all ihren Schätzen passendes Jubiläum im Jahr 2020 zu feiern. Mit freundlichen Grüßen Bürgersinn e.V. Henning v. Jagow        Joachim Betten        Sibylla Kleffner        Ruth Ruf
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Bürgersinn e.V.  Überlingen
An bedeutenden Fragen für die Zukunft Überlingens mitzuwirken, ist wichtiger denn je